Cowes Week 2026
Anfang August sind wir auf der Stoertebeker die Cowes Week im 200.
Jubiläumsjahr gesegelt. Sieben Tagesrennen ‚around the cans‘ im
englischen Solent bei bestem Wind und Sonnenschein in Klasse IRC0
gegen die fünf schnellsten Schiffe vor Ort.
Zur Vorbereitung dieses Saisonhighlights waren wir Anfang Mai
schon ein Wochenende in Kiel, bei dem neben ein paar Wasserstunden
vor allem noch basteln auf dem Plan stand. Großer Dank gebührt an
dieser Stelle Georg Ruhland und Crew, die das Schiff im Anschluss an
die Kieler Woche nach Gosport überführt hatten. Unter denselben
Vorzeichen waren dann große Teile der Crew schon in der letzte Juli-
Woche angereist, wo wir neben aller Bastelei aber auch ein wenig
englische Kultur mitnehmen sowie an drei Tagen trainieren konnten.
Die Lernkurve unserer neuen Crew-Konstellation auf dem durchaus
komplizierten Boot erwies sich wieder einmal als Steil – ganz im
Sinne des Ausbildungsgedanken dieses Vereins. Am Vorabend der
Cowes Week verlegten wir die Stoertebeker – frisch geputzt, gewartet
und mit allen Inshore-Rennsystemen ausgestattet – ans Dock des
Wight Shipyard in Cowes. Nach der unterhaltsamste
Steuerleutebesprechung unseres Lebens, die mit den Worten: „There
must be a bar open somewhere“ endete, bezogen wir ein
Ferienhäuschen in der Nähe, welches unserer Basis für die
kommenden Regattawoche werden sollte.
Zum Auftakt der Cowes Week wurde direkt alles aufgefahren, was
diese Regatta zu bieten hat. Der Start eng vor Land an der inneren
Startlinie des Royal Yacht Squadron. Ein Gewusel mit Schiffen
kleinerer Berechnungsklassen aus derselben Startgruppe und ab durch
das Bojenfeld unmittelbar hinter der Startlinie. „Water!“ „You tack!“
„Wende in 10…5, 4, 3, 2, 1, tacking.“ Dann eine Dreiviertelstunde
konzentriertes Kreuzen in den westlichen Solent. Ab jetzt sollte kein
Schlag mehr länger als eine Viertelstunde andauern, denn die
Rennleitung schickte uns kreuz und quer. Dabei lernten wir auchunsere liebsten Gegner für die folgenden Tage kennen, denn mit den
niederländischen Teams auf Barraca und Van Uden aus IRC1 teilten
wir nicht nur Steg bzw. Projekthintergrund, sondern auch ähnliche
Geschwindigkeit unter Segeln. Berechnet waren sie uns damit
gleichzeitig ein gutes Stück voraus. So wurde auch eine Erwartung
bestätigt: mit den TP52 und ihren Proficrews in unserer Klasse
würden wir uns allenfalls auf der Startkreuz messen können.
Mittlerweile hatte der Wind auf 19 Knoten aufgefrischt und die
Manöver hielten uns gut beschäftigt. Wir waren mittlerweile aufgrund
von Materialermüdung beim letzten Runner-tail angekommen als bei
einem Bergemanöver auf spitzem Kurs der Bugkorb brach. Ein frühes
und ernüchterndes Ende unseres ersten Rennens hier in England. Nach
viel abendlicher Boots- und Spleißarbeit sowie einem umfassendes
Debrief gingen wir erschöpft, aber guter Dinge zu Bett.
Unsere Arbeit wurde am zweiten Renntag belohnt. Bei 8 bis 10
Knoten im östlichen Solent bewies Konsti als Taktiker schon am Start
den richtigen Riecher über die rechte Seite zu eröffnen, und so blieben
wir eine Weile in Luv leicht voraus von Gladiatior. Den Cross gönnten
sie uns leider noch nicht. Ein Manöver-ärmeres Rennen erlaubte einen
ruhigeren Takt, in dem wir unseren Polars näherkamen, als bisher. Bei
diesen Bedingungen und auf dem Revier, das wir aus den
Trainingstagen schon kannten, fiel segeln uns wieder leicht. Klar: die
schnelleren Boote zogen irgendwann davon. Aber mit einem
Zieldurchgang, bei dem wir berechnet nur Fünfzehn Minuten hinter
der erstplatzierten Beau Geste und nur drei Minuten hinter Braveheart
lagen, waren wir am Abend eindeutig zufrieden. Erheitert durch
diesen Zwischenerfolg konnten wir nachmittags erstmals entspannt
die schnellen und schönen Boote im Cowes Yacht Haven begutachten
und durch Cowes bummeln konnten – einem Ort der voller
Segelgeschichte steckt.
Die folgenden Tage verflogen und der englische Sommer bot uns
herrliche Segelbedingungen bei zwei bis vier Windstärken,
Temperaturen von 20 bis 25 Grad, und nicht einem Tropfen Regen.
Britisches Wetter hatten wir uns etwas unberechenbarer vorgestellt.Mal starteten wir vor dem Royal Yacht Squadron, anderenmal an
einem Startschiff irgendwo im Solent. Die Rennleitung schickte uns
abwechselnd östlich in Richtung Portsmouth, wo die Forts – riesige,
kreisrunde Befestigungsanlagen aus dem zweiten Weltkrieg -
interessante Hindernisse darstellten, oder gen Westen, wo die Needles
und Hurst Castle eine tolle Kulisse boten. Untiefen, wilde Winddreher
und die berüchtigte Strömung brachten Konsti bisweilen zum Fluchen
während bei Marvin, seines Zeichens Navigator, häufiger der Schweiß
ausbrach. Bei all diesen Bojen den Überblick zu behalten und
zwischendurch das richtige Segel für den Winkel hochzuziehen erwies
sich als verdammt anstrengend. Die körperliche Arbeit der unzähligen
Wenden unter Land, Segelwechsel für den Reach, und Squashes auf
Gennakerkurs ging an keinem vorbei. Das Trimmteam jagte Polar
Performance, auf dem Vorschiff und unter Deck wurden im Akkord
neue Segel angeschlagen sowie alte verstaut, und am Grinder wurde
kräftig gekurbelt. Im Reach unter drei Vorsegeln waren manchmal
fünf Winschen gleichzeitig belegt und so kam jeder von uns auf seine
Kosten. Die Tage waren geprägt vom steten streben nach
Geschwindigkeit und unterbrochen von einzelnen Erfolgsmomenten.
Nach dem Start vor Ino Veritas zu kreuzen bleibt uns sicher in
Erinnerung, auch wenn die Profis am Ende überlegen blieben. Als
weiteres Highlight ist auf jeden Fall der letzte Downwind am dritten
Tag zu nennen: Wir schossen bei Top-Geschwindigkeiten von bis zu
19 Knoten von der letzten Luv-Tonne des Tages gen Ziel am Royal
Yacht Squadron quer über den Solent.
Spektakulär war es jeden Tag wieder zu sehen, wie sich die knapp 650
Schiffe auf dem Solent tummelten. Manchmal konnte man den
Horizont vor lauter bunten Spinnakern kaum noch sehen. Es bleiben
eben die Corinthians, die den Spirit dieser Regatta prägen. Ebenjene
freuten sich ersichtlich, wenn die Stoertebeker an ihnen vorbeiglitt.
Und auch wenn die Startgruppen tagsüber alle unterschiedlich „around
the cans“ geschickt wurden war doch nachmittags das Ziel klar:
Cowes, meistens mit Zieldurchgang direkt vor dem Royal Yacht
Squadron; dort manchmal mit einem Schiff auf jeder Seite, ordentlich
Geschwindigkeitsdelta, und schwindendem Wasser unterm Kiel. Auchvon Land hätte sich dieses Spektakel sicherlich anzuschauen gelohnt.
Mittendrin im Getümmel war es jedenfalls ein großer Spaß!
Nach einem letzten ereignisreichen Tag auf dem Wasser am Freitag
hieß es für uns die Störti auf Touren-Modus umzubauen und dann ab
ins Race Village, denn hier fand die Siegerehrung statt: Da die
anderen Teams in IRC 0 eine harte Konkurrenz darstellten, wurden
wir mit den Ergebnissen nicht wirklich belohnt. Daher war es
natürlich besonders toll, dass wir trotzdem auf die Bühne durften und
mit der Ed Whelan Trophy geehrt wurden.
Nach der Siegerehrung mussten wir uns erstmal mit einer Tüte Fish‘n
Ships stärken, die wir mit Ausblick auf ein prächtiges Feuerwerk über
dem Solent, das den Abschluss der Cowes Week markierte, genossen.
Den restlichen Abend ließen wir bei Musik im Race Village
ausklingen.
Aus England bringen wir warme Erinnerungen und als schnellstes
gechartertes Schiff in IRC die Ed Whelan Celebration Trophy (sowie
besagtes Schiff) zurück. Wir kommen gerne wieder nach Cowes.
Herzlicher Dank gilt dem Verein und allen Einzelpersonen, welche die
Teilnahme an dieser Regatta ermöglicht haben.
Wir, das sind Moritz (Skipper), Ricki (Bow), Lasse (Midbow), Merle
(Pit), Frederik (Grinder), Johanne (Grinder), Mabel (Kite), Okke (Jib),
Christoph (Main), Frederik (Runner), Konsti (Taktik) und Marvin
(Navi)





