Norwegen - HVS goes Folgefonna Glacier
Nach einer lauten Nacht, wo sich ganz Bergen über das gewonnene WM-Spiel gegen Brasilien gefreut hat, verlassen wir den Stadthafen von Bergen mit Kurs Richtung Süden. Ständige Winddreher ermöglichten es uns, ganz ohne Manöver elegant um die zahlreichen Inseln zu segeln. Manchmal fühlte es sich wie Bus fahren an.
Wie immer ist die Haspa ein auffälliges Boot. Viele Motorboot kamen dicht an uns, winkten und machten Fotos. Eine Fähre hupte und winkt. Zwischenzeitlich fragten wir uns ob wir was vergessen haben. Fender? Leinen? Landstrom? Segel ganz oben? Gastlandflagge? Eigene Flagge? Haben wir Eisbären im Mast? Wir konnten jedoch nichts auffälliges finden, winken zurück und setzten unseren Weg unbeirrt fort.
Weil es offenbar noch schöner geht, entschieden wir uns dazu, Double Header zu setzen: A6 und G5 gleichzeitig. Es brachte auf unserem Kurs keine Geschwindigkeit, sah aber cool aus.
Mit diesem durchaus imposanten Segelbild ging es Richtung Osøyro. Kurz nachdem unsere Double Header Action beendet war, filmte uns der Kapitän einer Fjord-Fähre und sendete das Video an den Verein. Wir freuten uns wahnsinnig drüber, bedankten uns bei dem Kapitän und posteten das Video auf Instagram.
In Osøyro wartete nach dem Anlegen die wohlverdiente Sauna – hier kamen wir mit Osøyro locals in Kontakt.
Am nächsten Morgen gab es hier den letzten Regen der Reise. Bis der durch war, blieben alle in Koje. Sicher ist sicher. Am Mittag führte uns der nächste Schlag nach Rosendal. Der Weg dorthin verlief zunächst durch einen sehr engen Fjord. Unser Skipper wirkte dabei... sagen wir... konzentriert. Auf Grundlaufen war dort sehr unwahrscheinlich, eher hätten wir uns einen Kratzer in die Bordwand gefahren. Das passierte selbstverständlich nicht.
Später wurde der Fjord deutlich breiter, sodass wir den A6 erneut setzen konnten. Doch Norwegen wäre nicht Norwegen ohne seine lokalen Windeffekte. Innerhalb weniger Sekunden drehte der Wind teilweise um 90 Grad. Kursänderungen wurden zum Reflextraining, bis der Wind schließlich komplett einschlief. Also blieb nur noch eine Lösung: Motor an und die letzten Meilen nach Rosendal zurücklegen.
Die Mühe lohnte sich. Rosendal empfing uns mit einem wunderschönen Hafen und einem traumhaften Liegeplatz – einer dieser Orte, an denen man spontan beschließt, einfach länger bleiben zu wollen.
Natürlich durfte auch ein Landgang nicht fehlen. Das Ziel war ein Wasserfall, den man laut Navigation "ganz bequem" und über 250 Höhenmeter erreichen sollte. Über die Definition von "ganz bequem" hatte das Navi allerdings offenbar eine sehr eigene Meinung. Aus der geplanten kurzen Wanderung wurde eine deutlich längere Tour mit einigen zusätzlichen Höhenmetern (am Ende waren es 900 Höhenmeter!) und fast 20 Kilometern.
Am nächsten Tag ging es unter Motor weiter nach Jondal. Dort wartete das große Highlight, das schon seit Tagen angekündigt worden war: die Gletscherwanderung auf den Folgefonna Glacier.
Am Morgen wurden wir direkt am Hafen abgeholt und hinauf zum Gletscher gebracht. Dort verwandelten wir uns endgültig in Shakelton persönlich mit seinen Polarexpeditionskollegen: Gurt anlegen, Helm aufsetzen, Eisaxt in die Hand, Steigeisen unter die Schuhe – und schon konnte es losgehen. Gemeinsam mit unserem Guide wanderten wir über das beeindruckende ewige Eis, bestaunten tiefe Gletscherspalten und genossen eine Landschaft, die man so schnell nicht vergisst. Der ein oder andere Schnellball sei wohl auch geflogen. Nach dem Rücktransport zum Schiff waren sich alle einig: Dieses Event war jeden einzelnen Schritt wert.
Eigentlich war der Plan für den nächsten Morgen ganz einfach: Mit kleiner Crew ablegen und unter Motor weiterfahren. Es war ja schließlich kein Wind vorhergesagt. Doch kaum waren wir im Fjord, gab es plötzlich Wind auf. Also hieß es: Alle raus! Segel setzen!
Kaum standen die Segel, nahm der Wind wieder ab, bevor er eine Stunde später komplett einschlief. Immerhin waren nun alle wach und ein paar Liter Diesel haben wir auch gespart. Lokale Windeffekte halten sich selten an irgendwelche Vorhersagen.
Zum Abschluss entwickelte sich noch eine spannende Kreuz, bei der alle noch einmal ordentlich arbeiten durften. Eines der wenigen Male auf dieser Reise, wo der TWA länger unter 50 Grad blieb. Schließlich erreichten wir Hjellestad, wo ein kleiner Crewwechsel anstand.
Schon seit Tagen wurden Pläne geschmiedet, wer alles in Hjellestad ins Wasser geworfen wird. Die Liste war lang und reichte vom „1. Mal Wachführer“, „1. Mal An- und Abgelegt“ über „superliebe und sympathische Crewmitglieder, die es eigentlich überhaupt nicht verdient hätten, ins Wasser geworfen zu werden“ (Anmerkung der Redaktion: auch bekannt als vorlaute Crew) bis zum Skipper. So flogen nacheinander fast alle über die Reling ins kalte norwegische Wasser.
In Hjellestad verließen uns Carlotta und Sophia. Dafür kommt Dorothea auf dem Schlag nach Aarhus dazu.
Teaser für den letzten Bericht: Planänderungen, Enttäuschung beim Fischbrötchen, Planänderungen und endlich wieder mehr Schiffsverkehr…bis dann!






